Café Blaulicht – Kolumnen und Meinungen

Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 1

Posted in Ernst Walter Stummer (Dieb) by cafeblaulicht on 27. Juni 2003

(Wien, im Juli 2003) Im Juli 2003 erschien der erste Teil der Kolumne „Am Schmalz“ von Ernst W. Stummer. Sie umfasste nur 2.000 Zeichen, erschien aber in regelmäßiger Abfolge alle zwei Wochen.

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AM SCHMALZ (Teil 1)

Warum Sitzen? (I)

Der Österreichische Strafvollzug kostet Steuerzahlern in seiner derzeitigen Form sehr viel Geld, da für Häftlinge etwa ein Justizwachebeamter, Psychologe, Pfarrer, Arzt, Sozialarbeiter zu bezahlen ist. Die Gesellschaft bestraft sich damit eigentlich selbst! Wird der Mensch um das viele Geld in Haft wenigstens besser? Unsere Justizanstalten werden als „Hochschule für angewandte Kriminalität“ apostrophiert! Wenn ein junger, kleiner Fisch wegen Diebstahls eines Fahrradpedals (wie ich 1958) in Haft kommt, erzählen ihm Mitgefangene, wie und was er besser hätte machen können und natürlich interessiert den Jungen nach der Haft, ob das „Erlernte“ tatsächlich funktioniert. Und während der nächsten Haft lernt er, wie man einen „Bären“ (Tresor) reißt, wie man Sicherheitstüren im Vorbeigehen öffnet und Kinderschänder geben sich Tipps, wie sie zu kleinen Jungs oder Mädchen kommen und, was sie mit ihnen tun können. So ist es bei allen Deliktgruppen. Während längerer Haft verliert man alle seine Freunde, trifft dann ehemalige Mitgefangene, die eine gute Einbruchsmöglichkeit wissen, und führt diese gemeinsam aus.

Haft ist eigentlich die dümmste Strafmöglichkeit der modernen Gesellschaft, denn sie „fördert“ den Rückfall des Täters, weil er meistens nach der Haft wieder genau vor den selben Problemen steht, wegen denen er eine Straftat beging. Natürlich gibt es andere Extreme: In Saudi Arabien wird Dieben die Hand abgehackt, in China wird ein Straftäter an den Pranger gestellt, die Dorfbewohner umkreisen und beschimpfen den Zitternden. Aber in Österreich gibt zu wenig moderne Haftanstalten, wo Strafgefangene als Freigänger nur mehr zum Schlafen plus einem Wochenende monatlich ins Gefängnis müssen. In mehreren Staaten Europas und Amerikas existieren elektronische Armbänder mit Hausarrest, wo Strafgefangene weiter einer geregelten Arbeit nachgehen, danach aber wie in einem Haftraum daheim bleiben müssen. Warum lässt man sie in Österreich nicht daheim in der Wohnung, die sie einfach nicht verlassen dürfen? Das spart Haftkosten, Gefängnisse und abgrundtiefen Hass des ausgebeuteten Häftlings auf das System. Bitte um Antwort plus Rückporto. Ich antworte umgehend!

Ihr Einbrecherkönig

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Das Konzept zur Haftkolumne

Marcus J. Oswald (Ressort: Ernst Walter Stummer – Dieb)

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