Café Blaulicht – Kolumnen und Meinungen

Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 3

Posted in Ernst Walter Stummer (Dieb) by cafeblaulicht on 24. Juli 2003

(Wien, im Juli 2003) Ende Juli 2003 erschien der dritte Teil der Kolumne „Am Schmalz“ von Ernst W. Stummer. Sie umfasste nur 2.000 Zeichen, erschien aber in regelmäßiger Abfolge alle zwei Wochen.

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AM SCHMALZ (Teil 3)

Sex im Häfen

A schwule Sache, oder „Futheftln“ (=Porno und Sexhefte) um 2 Bunde (= zwei Pakete Tabak) ausborgen und stundenlang auf die Wixvorlag’ wixen! Mein Bruder arbeitete in den 60er Jahren im „Tausendjährigen Reich“, der Anstaltsdruckerei in Stein. Er erzählte, dass der Druckereichef in die Toilette kam und in Niederösterreichischem Dialekt schrie: „Wous machts denn da, scho wieda boudan, ihr soults arbeiten und net boudern!“ Ich arbeitete in den 60er Jahren in der Küche der JA-Josefstadt. Damals wurde die Burenwurst für die weiblichen Gefangenen noch geschnitten. Heute ist der Strafvollzug humaner und die Ladies bekommen die Burenwurst ungeschnitten in den Haftraum.

Mitte der Siebziger arbeitete ich in der Anstaltsdruckerei der JA Stein und wir druckten eine Broschüre des Österreichischen Gefangenenärztekongresses, in der Gefangenenärzte behaupteten, dass sich 80 Prozent aller Gefangenen homosexuell betätigen. Ich schrieb dem Justizministerium, dass es sich anscheinend um Wunschdenken der Anstaltsärzte handelt und fragte das Justizministerium, woher die Gefangenenärzte das nur wüssten! Kein heterosexueller Gefangener weiß, welcher Gefangene schwul ist, es sei denn, er ist’s selbst. Klar ist es nur bei wenigen Ausnahmen: Die, die sich transsexuell geben oder bei solchen, die im Gefängnis am Strich gehen. Warme werden aber großteils verabscheut.

Im Jargon des Gefängnisses gibt es „Tuer“ und „Lasser“. Ein „Tuer“ ist in vieler Gefangener Augen kein Homo, denn der Mitgefangene ist Ersatz für fehlende Frauen. Der „Lasser“ ist der minderwertige Teil des Paares und eine Beschimpfung. Ein geringer bisexueller Teil betätigt sich in Haft homosexuell. In meinen Augen sind sowohl „Tuer“ als auch „Lasser“ Homos und speziell für mich immerwährender Quell der Heiterkeit, über die ich laufend meine Witze reiße. Denn die Natur schuf Mann und Frau und wenn Gleichgeschlechtliche es miteinander treiben, ist das nur lustig und es gibt auch unzählige Homowitze.

Sex ist in Haft eigentlich ein Tabuthema, gehört zur Intimsphäre und das wird akzeptiert. Nur manchmal, wie in den 60er Jahren, erzählte der berüchtigte „Gstöse“ (Sedlar Wickerl), der von der Justizwache erschossen wurde: Wenn sein Zellenpartner im Stockbett „wegfährt“, dann spürt er die Vibrationen im Bett und das animiert ihn auch, „abzufahren“. Mehr zu „Sex im Häfen“ im nächsten Heft.

Ihr Einbrecherkönig

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Das Konzept zur Haftkolumne

Marcus J. Oswald (Ressort: Ernst Walter Stummer – Dieb)

Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 2

Posted in Ernst Walter Stummer (Dieb) by cafeblaulicht on 10. Juli 2003

(Wien, im Juli 2003) Ende Juli 2003 erschien der zweite Teil der Kolumne „Am Schmalz“ von Ernst W. Stummer. Sie umfasste nur 2.000 Zeichen, erschien aber in regelmäßiger Abfolge alle zwei Wochen.

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AM SCHMALZ (Teil 2)

Warum Sitzen? (II)

Justizminister Christian Broda wurde in den 70er Jahren von den Medien belächelt, weil er von einer gefängnislosen Gesellschaft „träumte“. Im Österreichischen Jugendstrafrecht wird seit Jahren seltener bestraft – statt dessen „aussergerichtlicher Tatausgleich“ gepflegt. Das ist richtig so.

Stellen Sie sich folgendes vor: In Ihre Wohnung wird eingebrochen oder sie werden um viel Geld betrogen oder um durch Veruntreuung um Werte gebracht. Was ist Ihnen lieber? Der Täter wird seiner „gerechten“ Strafe zugeführt, oder Sie bekommen Ihren Schaden ersetzt? Beides ist bei den derzeit „reformierten“, veralteten und verkrusteten Strukturen des Strafrechts nicht möglich, weil der Gewinn aus der Arbeitskraft des Häftlings als Beute in die Taschen der „bedürftigen“ Richter, Staatsanwälte und Justizwachebeamten gewirtschaftet wird, für welche der Häftling in Anstaltsbetrieben billige Anzüge schneidert, Möbel tischlert, Häuser baut oder abreißt.

Die Praxis ist so: Wenn der Häftling als Freigänger jeden Tag in der Firma werkt, in der er vor seiner Haft arbeitete, wird der Gehalt aus „Solidarität“ mit den anderen Gefangenen, die in Justizbetrieben innerhalb des Gefängnisses arbeiten, einbehalten und der Häftling, dessen Gattin und Kinder bekommen nichts davon und fallen der Sozialfürsorge in die Tasche! Damit steht der Häftling nach der Haft finanziell wieder dort, wo er vor der Straftat stand und er wird zu 90 (!) Prozent das Gleiche tun, weswegen er in Haft kam. Warum sperrt man die Günstlinge der Häftlingsarbeit nicht ein, denn das sind die Urheber der Straftat! Ach ja, es gibt Politiker, die sagen, wozu kriminell werden? Wir legalisieren einfach unsere (Straf-)Taten! Ökonomisch ist ein Häftling günstig, denn von ihm wird nach dem erzwungenen Rückfall im Häfen wieder kräftig in die Hände gespuckt.

Vor den Nationalratswahlen schrieb ich Bundeskanzler Schüssel, er möchte mich doch als Quereinsteiger in die Politik holen. Nach der Hospizregelung, die er als erstes Land der Welt einführte, könnte er als erstes Land der Welt auch Gefängnisse rentabel machen und sie zu 90 Prozent abschaffen und durch elektronische Fußfesseln ersetzen!

Ihr Einbrecherkönig

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Das Konzept zur Haftkolumne

Marcus J. Oswald (Ressort: Ernst Walter Stummer – Dieb)

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