Café Blaulicht – Kolumnen und Meinungen

Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 4

Posted in Ernst Walter Stummer (Dieb) by cafeblaulicht on 10. August 2003

(Wien, im Juli 2003) Ende Juli 2003 erschien der vierte Teil der Kolumne „Am Schmalz“ von Ernst W. Stummer. Sie umfasste nur 2.000 Zeichen, erschien aber in regelmäßiger Abfolge alle zwei Wochen.

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AM SCHMALZ (Teil 4)

Sex im Häfen II

Ich wurde gefragt, wie oft männliche Gefangene „schwarteln“. 1970 hatte ich in der JA Stein den über 1.200 Seiten langen „Kinsey Report Mann“ und den ebenso langen „Kinsey Report Frau“ gelesen. In Bergish-Gladbach bei Köln betrieb ich 1976 einen Sex Shop und in Österreich die größte Hostessenvermittlung. Als „Experte“ vermute ich: Wahrscheinlich „schwarteln“ junge Gefangene entsprechend ihrem Trieb mehr. Andererseits „schwarteln“ oft wieder Ältere mehr als Junge und ich könnte daher nur von meiner Person berichten, aber wer will das schon so genau wissen. Sex ist in Haft ein Tabuthema!

Früher waren Sexhefte in Anstalten verboten und das Ausleihen von anderen Gefangenen, die damit ein Geschäft machten, kostete ein bis drei Bund Tabak. Oft erhielt man Sexhefte, die von Leidenschaft der Mitgefangenen verklebt waren. Seit Ende der 80er Jahre sind Sexhefte in den meisten Gefängnissen erlaubt und man kann sie kaufen. In der JA Simmering hat sie der neue Anstaltsleiter Dr. Timm 2002 wieder verboten.

Angeblich gab es in Stein sogar leihweise Sexpuppen. Mir wurde keine angeboten und ich hätte sie auch nicht verwendet, denn die hatte sicher AIDS. Um 1990 las ich in Zeitungen , Häftlinge bekommen nun wegen AIDS Präservative. Ich ging zum Anstaltsarzt: „Herr Doktor, wir bekommen nun Präservative?“ Der Arzt sah den Justizwachebeamten daneben fragend an: „Müssen wir kaufen“, meinte der Beamte. „Ja, kaufen Sie!“, bat ich. Das erzählte ich Mitgefangenen: „Ernstl, jetzt bist Du der erste registrierte Häfen-Warme in Österreich!“ Ich schrieb an die Dion der JA Stein: „Ich erhielt Präservative und bitte daher um intimen Besuch meiner Freundin.“ Antwort: „Mangels gesetzlicher Möglichkeiten abgelehnt!“

Ich machte dagegen Beschwerde ans Justizministerium und beschritt den Rechtsmittelweg bis zum Verwaltungsgerichtshof. Das Justizministerium bat mich, die Klage zurückzuziehen, denn ab 1.1.1994 gibt es für Häftlinge mit Reststrafen von drei Jahren Ausgänge. Ich zog nichts zurück, denn die Insassen mit über drei Jahren mussten weiter „schwarteln“. Meine Klage wurde abgewiesen.

Seit 1994 gibt es dieses Ausgänge, während derer man seinen Sextrieb ausleben könnte, soweit man noch eine Freundin hat oder sich eine Prostituierte leisten kann. Ich bin Freigänger, habe keine Freundin. Vielleicht schreibt mir eine zierliche Frau?

Ihr Einbrecherkönig

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Das Konzept zur Haftkolumne

Marcus J. Oswald (Ressort: Ernst Walter Stummer – Dieb)

Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 3

Posted in Ernst Walter Stummer (Dieb) by cafeblaulicht on 24. Juli 2003

(Wien, im Juli 2003) Ende Juli 2003 erschien der dritte Teil der Kolumne „Am Schmalz“ von Ernst W. Stummer. Sie umfasste nur 2.000 Zeichen, erschien aber in regelmäßiger Abfolge alle zwei Wochen.

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AM SCHMALZ (Teil 3)

Sex im Häfen

A schwule Sache, oder „Futheftln“ (=Porno und Sexhefte) um 2 Bunde (= zwei Pakete Tabak) ausborgen und stundenlang auf die Wixvorlag’ wixen! Mein Bruder arbeitete in den 60er Jahren im „Tausendjährigen Reich“, der Anstaltsdruckerei in Stein. Er erzählte, dass der Druckereichef in die Toilette kam und in Niederösterreichischem Dialekt schrie: „Wous machts denn da, scho wieda boudan, ihr soults arbeiten und net boudern!“ Ich arbeitete in den 60er Jahren in der Küche der JA-Josefstadt. Damals wurde die Burenwurst für die weiblichen Gefangenen noch geschnitten. Heute ist der Strafvollzug humaner und die Ladies bekommen die Burenwurst ungeschnitten in den Haftraum.

Mitte der Siebziger arbeitete ich in der Anstaltsdruckerei der JA Stein und wir druckten eine Broschüre des Österreichischen Gefangenenärztekongresses, in der Gefangenenärzte behaupteten, dass sich 80 Prozent aller Gefangenen homosexuell betätigen. Ich schrieb dem Justizministerium, dass es sich anscheinend um Wunschdenken der Anstaltsärzte handelt und fragte das Justizministerium, woher die Gefangenenärzte das nur wüssten! Kein heterosexueller Gefangener weiß, welcher Gefangene schwul ist, es sei denn, er ist’s selbst. Klar ist es nur bei wenigen Ausnahmen: Die, die sich transsexuell geben oder bei solchen, die im Gefängnis am Strich gehen. Warme werden aber großteils verabscheut.

Im Jargon des Gefängnisses gibt es „Tuer“ und „Lasser“. Ein „Tuer“ ist in vieler Gefangener Augen kein Homo, denn der Mitgefangene ist Ersatz für fehlende Frauen. Der „Lasser“ ist der minderwertige Teil des Paares und eine Beschimpfung. Ein geringer bisexueller Teil betätigt sich in Haft homosexuell. In meinen Augen sind sowohl „Tuer“ als auch „Lasser“ Homos und speziell für mich immerwährender Quell der Heiterkeit, über die ich laufend meine Witze reiße. Denn die Natur schuf Mann und Frau und wenn Gleichgeschlechtliche es miteinander treiben, ist das nur lustig und es gibt auch unzählige Homowitze.

Sex ist in Haft eigentlich ein Tabuthema, gehört zur Intimsphäre und das wird akzeptiert. Nur manchmal, wie in den 60er Jahren, erzählte der berüchtigte „Gstöse“ (Sedlar Wickerl), der von der Justizwache erschossen wurde: Wenn sein Zellenpartner im Stockbett „wegfährt“, dann spürt er die Vibrationen im Bett und das animiert ihn auch, „abzufahren“. Mehr zu „Sex im Häfen“ im nächsten Heft.

Ihr Einbrecherkönig

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Das Konzept zur Haftkolumne

Marcus J. Oswald (Ressort: Ernst Walter Stummer – Dieb)

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